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Qualität und Wirksamkeit im Coaching

Was ist Coaching, und was ist es nicht?

Was wir nicht (!) unter Coaching verstehen: Nach Meinung der Coaching-Industrie ist Coaching ein „interaktiver und personenbezogener Begleitungsprozess zur Selbstreflexion, Selbstwahrnehmung und Selbstfindung, bei dem der Klient durch ressourcenvolle Lösungsorientierung und Erweiterung des Bewusstseins seine Probleme als Hilfe zur Selbsthilfe selbst löst.“

Wir verwenden solche sinnlosen, schwulstigen Floskeln gar nicht und benötigen auch keine „Kybernetik fünfter Ordnung“ und auch keine „Autopoiesistheorie“ oder Psychotherapie zur Lösung praktischer Probleme und zur Entwicklung von Kompetenzen, Persönlichkeitsmerkmalen und beruflicher Perspektiven. Wir verfügen über genügend wissenschaftliche Qualifikation um schlichten Unfug oder amerikanischen Berater-Klamauk abzulehnen (siehe dazu die weiter unten aufgeführten Literaturhinweise).

Nach unserem Verständnis ist Coaching eine partnerschaftliche Erarbeitung von Lösungen für aktuelle Herausforderungen und zur Umsetzung von Zielen. Wir liefern als Service die dazu notwendigen Methoden, Erfahrungen und das passende Fachwissen. Dieses Wissen und Know-how entsprechen dem neuesten Stand des Wissens („Best Practice“). Das können wir aufgrund unserer Praxiserfahrung in Verbindung mit praxisorientierter Forschung sicherstellen. Damit folgt unser Coaching-Ansatz dem Prinzip der Beratung, bei dem ein Fachmann notwendig ist. Dagegen verstehen sich andere Ansätze als „Begleitung“ oder als reine Frage-, Gesprächs- oder Zuhörtechniken, die voraussetzen, dass der Klient bereits über alle Erfahrungen und Kenntnisse verfügt, um die beste Lösung selbst zu finden. Ein derartiges Coaching ist nach unserer Erfahrung kaum in der Lage, über die alten Gewohnheiten hinauszugehen oder eine Verhaltensänderung zu bewirken, weil meistens keine zuverlässige Diagnose der Stärken, Schwächen und Chancen bei zukunftsrelevanten Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmalen mit validierten Testverfahren durchgeführt wird. 

Wir halten auch nicht viel davon, wenn Laien mit psychotherapeutischen „Methoden“ oder Versatzstücken von „Theorien“ arbeiten. Ein Beispiel ist das „Systemische Coaching“, das den Anschein erweckt, aus der Systemischen Therapie zu stammen und genauso „wirksam“ zu sein. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Psychotherapeutengesetz, das den gutgläubigen Laien von Scharlatanerie schützen will. Ähnlich ist es im Falle des Neurolinguistischen Programmierens (NLP), des "Wingwave-Coaching" oder der Theorie des "Situativen Führens". (Dem Wingwave-Coaching liegt ein psychotherapeutisches Verfahren zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung zugrunde, das in den Händen von Laien überhaupt nichts zu suchen hat).

Als Qualitätskriterium ist auch eine „zertifizierte“ oder "anerkannte" Coaching-Ausbildung nicht geeignet, weil weder eine wissenschaftliche noch eine staatlich anerkannte Ausbildung für diese Tätigkeit existiert. Stattdessen ist eine Selbstzertifizierung der Coaching-Verbände als Interessenvertreter der Coaching-Anbieter weit verbreitet. Das Gleiche gilt für die selbst formulierten "Ethikrichtlinien", die keinerlei unabhängiger Prüfung unterzogen werden (auch der Deutsche Astrologenverband hat eine Ethik-Richtlinie und zertifiziert seine Mitglieder und deren Ausbildung). 

Literaturempfehlungen:

  • Harvard Business Review Guide to Coaching Employees, Boston, Massachusetts 2015
  • Pressemitteilung: Was ein Coaching wirksam und effektiv macht. PDF download: Wirksamkeit von Coaching
  • V. Lau: Obskure Managementesoterik. In: Personalmagazin 09/2013 und Interview im "Karriere-Spiegel" mit gleichem Inhalt (Link zum Online-Artikel)
  • K. Werle: Die Stunde der Scharlatane, in: Manager-Magazin, Heft 3/2007 (Link zum Online-Artikel)
  • W. Pelz: Systemisches Coaching - eine kritische Analyse pdf download)

Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir kritisieren nicht, wenn jemand sich als Coach betätigt, indem er in das Gespräch seine Erfahrungen auf einem Spezialgebiet und seinen gesunden Menschenverstand einbringt (zum Beispiel beim Peer Coaching, wie es auch in MBA-Programmen geübt wird). Problematisch wird es, wenn ein Coach vorgibt, wissenschaftlich fundierte, therapeutische Techniken und Methoden zu beherrschen und sich auf eine Ausbildung oder Zertifizierung beruft, die Wissenschaftlichkeit vortäuscht.

Was mit wissenschaftlich fundierten (wirksamen) Methoden gemeint ist, und unter welchen Bedingungen sie eingesetzt werden können, hat der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie nach § 11 des Psychotherapeutengesetzes definiert (Link).